das Grauen streckt seine Klauen aus
ooh, weck' mich aus meinem Albtraum auf

stalker

Donnerstag, 19. April 2012

eine erinnerung an den winter



demelza hat an diesem abend, an dem du nicht mitkommen wolltest, vor mir getanzt. sie drehte das radio auf und tanzte zu never know a girl like you before, cheerleadergesicht, offenes rotes haar, sie lachte, sie sah sehr schön aus. fynn trug den pelzmantel seiner großmutter und abwaschhandschuhe aus rosafarbenem plastik, der pelz war räudig. "du bist so albern" sagte demelza und fynn schob das kokain auf dem taschenspiegel zu kleinen straßen zusammen, sah ihr nicht zu. ich war nicht müde. ich saß, an ihn gelehnt, auf dem sofa, sein pelz war nass vom schnee und roch komisch, ich sah demelza zu, wie sie sich ihren mund mit pflaumenfarbenen lippenstift ausfüllte, ihr mund war so groß und der lippenstift spitz wie eine feder. fynn blickte von seinem taschenspiegel auf und sah nirgendwohin. 
wo warst du? ich hatte dich angerufen, du hast vor dem fernseher gesessen und gesagt, du hättest die falschen drogen genommen,du klangst müde und gereizt und wolltest nicht mitkommen. ich sagte: "demelza hat sich verliebt." du sagtest: "das ist nichts neues.", dann schwiegen wir, ich konnte die kleinen stimmen aus dem fernseher hören, kriegsgeräusche, fliegeralarm; ich wusste, dass es kalt war in deinem zimmer, an den fenstern eisblumen. du hast aufgelegt. ich rauchte drei zigaretten hintereinander.
...
wir setzten uns auf die treppe und aßen, ich trank den wodka in großen schlucken, und mir wurde warm, fynn saß unruhig und wischte sich ununterbrochen die nase ab. ich sagte "du kokst zu viel" und er sagte "wo ist er, dieser regisseur". der regisseur stand an der bar. er war groß und dick und verkommen, er rauchte eine zigarre und trank whiskey, er hatte diesen verlotterten altmännersex, dem demelza sich nie entziehen konnte, und er war berühmt. mehr oder minder. ich deutete mit dem finger auf ihn und sagte "das ist er" und fynn brach in hysterisches gelächter aus und sagte "natürlich". ich sah den regisseur an, ich dachte an die zahllosen regisseure und dramatiker und schauspieler und bühnenbildner, die an demelzas (und meinem) küchentisch gesessen, unter unserer dusche gestanden, in unseren betten gelegen hatten, ich dachte an ihre stimmen auf dem anrufbeantworter, an ihre nächtlichen schläge gegen unsere tür, an die zerschmissenen gläser und ungelesenen briefe; ich dachte, dass immer irgendetwas nicht genug war, auch diesmal würde irgendetwas nicht genug sein, ich dachte an dich, an die eisblumen, an den rauchgeruch, ich dachte, auch wir sind nicht genug.


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